Blogfragerunde

Mein Autorenkollege und Filmemacher Daniel Morawek (www.danielmorawek.de) hat mich dazu eingeladen,
an einer Blogfragerunde unter Autoren teilzunehmen und 11 Fragen über das Schreiben zu beantworten. Da lasse ich mir natürlich nicht nehmen, meinen Senf dazuzugeben!

1. In welchen Moment Deines Lebens ist Dir klargeworden, dass Du eine Geschichte schreiben musst/willst?

Seit ich mein erstes Buch gelesen habe. Geschichten erzählen zu wollen ist ein Trieb, meiner Meinung nach. Ein anderer bekannter Autor aus Aschaffenburg benutzte mir gegenüber den Ausdruck
„kreativer Druck“, der es, denke ich, schon ganz gut beschreitbt. Das Schreiben als Medium für die Geschichten hilft, den Druck loszuwerden. Als ich noch nicht aktiv veröffentlichte,
entlud sich der Druck meist zum Leidwesen meiner Freunde und Bekannten im spontanen Abhalten von Vorträgen über Themen, die außer mir wohl niemanden so richtig interessierten. Man nahm es mit Humor,
aber ich denke, auf Papier gebracht ist es doch besser.

2. Wenn Du im Schreibfluss bist, wie gehst Du dann mit Störungen von Außen um?

Ich versuche, so etwas im Vorfeld zu vermeiden. Aber Erfahrungsgemäß verlasse ich ohnehin die Realität, Zeit und Raum. Da vergehen Stunden in gefühlten Augenblicken. Ich denke, ich bin dann schwer von außen abzulenken. Sollte es doch vorkommen, reagiere ich, glaube ich, schnell genervt und versuche, die Störquelle zu beseitigen. Aber meist genügt da ein geschlossenes Fenster oder ein weggedrückter Anruf, also halb so wild.

3. Du zerplatzt vor Glück, aber auf dem Tagesplan steht der Höhepunkt des
Leidens Deines Helden. Wie bringst Du Dich in die Richtige Stimmung oder
verschiebst Du die Szene auf einen anderen Tag und schreibst eine
lustige Kurzgeschichte?

Damit hatte ich noch keine Probleme. Ich kann mich selbst gut in andere Stimmungen versetzen. Die passende Musik, ein paar Minuten nachdenken, kurz in mich gehen, passt. Ich denke, ein gewisses Mindestmaß an Empathie ist Vorraussetzung, bzw. sollte zum Repertoire jeden Autors zählen. um gute Charaktere schreiben zu können.

4. Wie oft bist Du beim Schreiben eins Exposés schon verzweifelt?

Währenddessen nie. Danach immer. Für mein Erstlingswerk, den Chronisten, gab es am Ende vier Versionen in verschiedener Länge. Und keine hat mich so richtig glücklich gemacht.

5. Sind Dir Deine Protagonisten schon mal im Traum erschienen und haben Dir vorgeworfen, Du hättest sie
völlig falsch dargestellt?

Nein. Konnte mir aber auch schlecht passieren. Da ich mich auf historische Quellen stütze, hatte ich ein zimlich genaues Bild vor Augen.


6. Wenn Du eine Idee zu einer Geschichte hast, lässt Du dann alles andere
liegen und hältst sie fest oder schreibst sie sogar sofort? Oder
schiebst Du sie in eine Ecke Deines Kopfes und wartest, bis
Dein aktuelles Projekt abgeschlossen ist?

Schwer zu sagen. Ich habe meine virtuellen Merkzettel mit Ideen auf Telefon und PC verteilt. Manches arbeite ich gleich aus, anderes brütet. Ich lasse das organisch wachsen.

7. Wie gehst Du mit Schreibblockaden um?

In die Verlegenheit kam ich noch nie. Ich habe meine Rituale, um mich in „Schreibstimmung“ zu versetzen. Bestimmte Musik, bestimmte Techniken, den Kopf zu entleeren, anfangen mit dem Verbessern des vorher geschriebenen. Irgendwann geht es dann los. Ich denke aber, das ist oft auch Einstellungssache. Anfangen zu Schreiben ist immer schwer, jeden Tag. Wenn man das Ganze als seine Arbeit betrachtet und daran denkt, das es jedem anderen Arbeiter da draußen genauso geht und die auch nicht jammern dürfen, geht es einfacher.

8. Was motiviert Dich wieder, wenn die Geschichte hängt, der Plot nicht
funktioniert oder Du Dich fragst „Was soll der ganze Quatsch
eigentlich?“

Ist mir so auch noch nicht passiert. Selbstzweifel gehören dazu, das war mir schon immer klar. Dann mache ich Brainstorming und überlege, was ich ändern kann.

9. Nenne 3 Gründe, warum Du das Schreiben niemals aufgeben würdest.

1. Es macht Spaß. Wenn ich schreibe, habe ich das Gefühl, meiner Bestimmung zu folgen. Nicht mehr und nicht weniger.
2. Feedback zu den eigenen Geschichten zu hören und zu sehen, wie viele Leute meine Worte lesen, ist täglich aufs Neue faszinierend.
3. Es ist die ultimative Form der Selbstständigkeit. Eigene Zeiteinteilung und niemand, der einem reinredet … das würde ich nicht mehr aufgeben wollen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.

10. Nenne 3 Gründe, warum Du es gedanklich schon zig mal an den Nagel gehängt hast.

Habe ich noch nie. Ich habe Jahre gebraucht, endlich mal ein Buch fertigzustellen. Deswegen habe ich auch nicht vor, das wieder aufzugeben.

11. Welchen Deiner Protagonisten magst Du am liebsten und welchen verabscheust Du am meisten?

Das ist einfach. Beides Mal Raimund aus dem Chronist. Er hat ein Eigenleben entwickelt und trotz meiner Grundsympathie auch Dinge getan, die ich nicht gut fand, die aber sein mussten. Er konnte ja nicht aus seiner Haut. Aber ich persönlich hätte wohl anders gehandelt. Beim Schreiben solcher Szenen konnte ich ihn manchmal wirklich nicht ausstehen.

Über Matthias Wenzel

Matthias Wenzel: leidenschaftlicher Leser von Fantasy, Krimis, Science Fiction, Abenteuerromanen und historischen Romanen Im Juli 2012 begann Matthias mit der Arbeit an seinem ersten, eigenen Roman, für ihn eine logische Folge aus jahrelanger Begeisterung für das Lesen und das Schreiben. 2013 wählte er den Weg der Selbstveröffentlichung als Ebook-Autor, da er in seiner Kompetenz mit IT-Themen und Internet schon lange einen persönlichen Draht zum Für und Wieder der elektronischen Unterhaltung und Kultur hatte.
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Eine Antwort auf Blogfragerunde

  1. Pingback: Über zwanghaftes Schreiben, schlechte Hemingway-Texte und starke Frauen | Daniel Morawek

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